Das Mobilitätskonzept für den Kieler Stadtteil Gaarden sieht rund 200 Einzelmaßnahmen vor, um die Verkehrsführung neu zu ordnen, die Sicherheit für den Rad- und Fußverkehr zu erhöhen und die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Die Pläne gliedern sich in sechs Handlungsfelder und sollen in drei Stufen bis zum Jahr 2035 umgesetzt werden. Die erste Stufe umfasst über 80 Maßnahmen mit geringerem Planungs- und Kostenaufwand, deren Umsetzung bis 2029 vorgesehen ist. Die Kieler Ratsversammlung befasste sich am 19. Februar mit dem Konzept, das sich in übergeordnete Vorhaben wie den Masterplan 100 Prozent Klimaschutz und das Ostuferverkehrskonzept einfügt. Grundlage der Planungen des beauftragten Berliner Ingenieurbüros stadtraum ist ein städtischer Beschluss aus dem Jahr 2022 zum ruhenden Kfz-Verkehr, der gezielte Maßnahmen für verschiedene Quartiere einforderte.
Die Ausgangslage in Gaarden weist verkehrsspezifische Besonderheiten auf: Der sogenannte Umweltverbund macht bei der Verkehrsmittelwahl bereits 79 Prozent aus. Während der Fußverkehr mit 35 Prozent und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) mit 29 Prozent überdurchschnittlich hohe Anteile aufweisen, liegt der Radverkehr mit 15 Prozent unter dem städtischen Durchschnitt, was unter anderem auf die vorhandene Pflasterung zurückgeführt wird. Der motorisierte Individualverkehr verzeichnet einen Anteil von 21 Prozent. Der vorliegende Endbericht analysiert diese Situation und definiert Verbesserungen in den Bereichen motorisierter Individualverkehr, Radverkehr, Fußverkehr, Freiräume, ÖPNV und Sharing-Angebote sowie Parken. Ziel ist die Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen, ohne den Autoverkehr prinzipiell aus dem Stadtteil auszuschließen.
Ein zentrales Element der ersten Umsetzungsstufe ist die Einrichtung von drei sogenannten Kiezblocks nach dem Vorbild der Superblocks in Barcelona. Diese umfassen das Gaardener Zentrum, den Bereich um Elisabethstraße und Kirchenweg (ElKi-Kiez) sowie das Holsteiner Viertel. Durch neue Einbahnstraßenregelungen soll der Durchgangsverkehr in diesen Wohngebieten vermieden und das Parken am Straßenrand neu geordnet werden. Dabei wird die geplante Stadtbahntrasse berücksichtigt. Auf dem viel befahrenen Ostring sind neue Querungsmöglichkeiten für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen geplant, wobei die Anzahl der Fahrstreifen für den Autoverkehr erhalten bleibt. Zur Stärkung des Radverkehrs sollen zudem asphaltierte Fahrradstraßen entstehen, beginnend mit einem Abschnitt der Norddeutschen Straße. Hinzu kommen neue Abstellanlagen für Fahrräder sowie geplante Bike-and-Ride-Stationen an künftigen Stadtbahnhaltestellen. Für Fußgänger*innen sieht das Konzept zur Erhöhung der sogenannten Walkability unter anderem abgesenkte Bordsteine an Kreuzungen und die Verlagerung von Pkw-Stellplätzen von den Gehwegen auf die Straße vor.
Auch öffentliche Plätze sollen aufgewertet werden. Vorgesehen sind beispielsweise eine stärkere Begrünung des Vinetaplatzes sowie langfristig – in den 2030er Jahren – eine grundlegende Umgestaltung des Henry-Vahl-Platzes. Im Bereich des ÖPNV wird eine veränderte Buslinienführung vorgeschlagen, durch die Busse zwischen Elmschenhagen und Karlstal künftig auf einem kürzeren Weg über die Röntgenstraße anstatt über den Ostring verkehren könnten. Das Konzept empfiehlt zudem den Ausbau von Carsharing- und Bikesharing-Stationen. Zur Reduzierung des Parksuchverkehrs ist die Einführung von vier Bewohner*innen-Parkzonen geplant. Ergänzend benennt das Konzept mögliche Standorte für Quartiersgaragen und schlägt vor, größere Parkplätze von Supermärkten oder dem Hörnbad in den Nachtstunden für Bewohner*innen nutzbar zu machen.
Hinsichtlich der politischen und planerischen Einordnung betonte die zuständige Mobilitätsdezernentin und Stadträtin Alke Elisabeth Voss, dass die Stadtverwaltung mit diesem Konzept auf die bestehenden verkehrlichen Herausforderungen in Gaarden reagiere. Im Fokus der Maßnahmen stehe die konkrete Verbesserung der Lebensqualität im Stadtteil durch organisatorische Anpassungen. Ein zentrales Anliegen sei dabei die gezielte Förderung nachhaltiger Mobilitätsformen wie ÖPNV, Rad- und Fußverkehr, ohne jedoch den Autoverkehr vollständig aus Gaarden zu verbannen. Die Stadträtin unterstrich zudem, dass sich die präsentierten Ziele und Maßnahmen nahtlos in übergeordnete Planungen wie den „Masterplan 100 Prozent Klimaschutz“ und das Ostuferverkehrskonzept einfügen. Auf der Grundlage der vorliegenden Untersuchung durch das beauftragte Ingenieurbüro sei es nun das Ziel der Verwaltung, zeitnah möglichst viele der erarbeiteten Lösungsansätze im Interesse der Bewohner*innen umzusetzen.
