Gaarden — traditioneller Arbeiter*innenstadtteil mit internationalem Flair


Wenn Sie zu Fuß über die Hörnbrücke gehen, erleben Sie Gaarden, den traditionellen Arbeiter*innenstadtteil auf dem Kieler Ostufer an der Hörn. Der Stadtteil ist einer der größten und bekanntesten Kiels mit Vorzügen wie beispielsweise Innenstadt- und Fördenähe, attraktiven Altbaubeständen, großzügigen Grünanlagen (z.B. Sport- und Begegnungspark, Werftpark), einem funktionierenden und lebendigen Nahversorgungszentrum mit einer Fußgängerzone in der Elisabethstraße rund um den Vinetaplatz sowie einer wachsenden Kultur- und Kreativszene.

In Gaarden leben rund 23.000 Einwohner*innen (PLZ-Gebiet 24143), davon über die Hälfte mit Migrationshintergrund. Die internationalen Bräuche und Spezialitäten, die sie mitbringen, tragen zu der besonderen Atmosphäre bei, die Kiels buntesten Stadtteil ausmacht. Allerdings prägen die hohen sozialen Belastungen das vorwiegend negative Stadtteilimage von Gaarden.

Nichts erinnert mehr an die Bäuer*innendörfer Hemminghestorp und Wulvesbrooke, die im 18. und 19. Jahrhundert ein beliebtes Ausflugsziel für die Kieler*innen boten. Im Laufe des 15. Jahrhunderts bürgerte sich für beide Orte der Name Gaarden ein, weil dort große Flächen als Gärten verpachtet waren. Dabei unterschied man zwischen „Klösterlich Gaarden“ nördlich des Baches Mühlenau, das zum Kloster Preetz gehörte, und „Fürstlich Gaarden“, das zum Herzogtum Holstein gehörte und sich auf der anderen Seite der Mühlenau erstreckte. Alles änderte sich, als Kiel 1867 zu Preußen gehörte, Kriegshafen wurde und sich die Werftindustrie auf dem Ostufer ansiedelte. Für die Werften wurde die Gaardener Steilküste abgetragen und das Ufer verbaut. Die Arbeiter*innen der Werften suchten Wohnraum in Gaarden, sodass die Einwohner*innenzahl des Dorfes von 1865 bis 1880 von 400 auf über 8.000 Menschen stieg. Die alten Bäuer*innenhäuser wichen Mietshäusern, neue Straßen wurden angelegt. Viele von ihnen sind nach Kriegsschiffen benannt, zum Beispiel die Medusastraße, die Blitzstraße oder der Vinetaplatz. Aus Gaarden entstand ein Arbeiter*innenwohngebiet, welches 1901 nach Kiel eingemeindet wurde (Gaarden-Süd 1910).

Infolge der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und der einschneidenden Veränderungen im Zuge der Schiffbaukrise hat sich Gaarden neu positioniert. Besonders der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft hat das Kieler Ostufer - am stärksten Gaarden - als altindustriellen Standort hart getroffen.

Die ehemals traditionellen Ostufer-Arbeiter*innenstadtteile sind kielweit überdurchschnittlich von sozialer Benachteiligung (z.B. hohe Arbeitslosigkeit und Sozialbedürftigkeit) und städtebaulichen Herausforderungen geprägt. Aufgrund dessen wird das Ostufer/Gaarden seit dem Jahr 2000 insbesondere als Fördergebiet im Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt“ mit einem Stadtteilmanagement vor Ort  (Büro Soziale Stadt Gaarden) sowie zusätzlich seit 2018 mit der kommunalen Entwicklungsstrategie Gaarden10 intensiv gefördert, um sukzessive städtebauliche Mängel zu beheben und die Lebensbedingungen sowie Zukunftschancen vor Ort umfassend zu verbessern.


(Stand: 01.10.2020)