Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf

Die Soziale Stadt - Programmteil „Modellvorhaben“

Projektlaufzeit: 2008-2014

Mit dem Programmteil „Modellvorhaben“ hat das Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein für die Programmgebiete Soziale Stadt eine Förderung „nicht oder nicht ausschließlich investiver“ Modellvorhaben eingeführt. Diese Modellvorhaben sollen die städtebauliche Aufwertung in den Gebieten flankieren und beziehen sich daher für die Landeshauptstadt Kiel auf die Soziale Stadt-Gebiete „Ostufer“ und „Mettenhof“. Die Förderung zielt dabei insbesondere auf die Verbesserung der Lebensbedingungen in den Quartieren, die Schaffung stabiler Sozialstrukturen und die Verbesserung der Lebenschancen für die Bewohnerinnen und Bewohner ab.

Analog zum Hauptprogramm „Soziale Stadt“

  • ist die Laufzeit der Modellvorhaben an die Laufzeit der jeweiligen Programmgebiete Soziale Stadt gekoppelt,

  • erfolgt die Förderung zu je einem Drittel aus Bundes-, Landes- und Eigenmitteln der Projektantragsteller*innen,

  • muss die Landeshauptstadt Kiel alle Modellvorhaben insgesamt beantragen,

  • muss sich das jeweilige Modellvorhaben in das Integrierte Handlungskonzept für das jeweilige Programmgebiet integrieren - Prüfung erfolgt durch das jeweilige Stadtteilbüro - und

  • entscheidet das Innenministerium über die jeweils geförderten Modellvorhaben.

Kontakt

Büro Soziale Stadt Gaarden

Anna Neugebauer
  0431 – 97 99 53 46
   0431 – 97 99 53 49
   anna.neugebauer@kieler-ostufer.de

Lea Lükemeier
  0431 – 97 99 53 43
   0431 – 97 99 53 49
   lea.luekemeier@kieler-ostufer.de

Büro Soziale Stadt Gaarden
Vinetaplatz 2
24143 Kiel

Geförderte Projekte


Projekte 2010

Wirtschaftsbüro Gaarden

Stadtteilfonds Gaarden 2010

Leselounge

Träger*in: Förderverein der Gerhart-Hauptmann-Schule
Laufzeit: 01. Januar 2011 – 31. Dezember 2013
Gesamtkosten: 27.000 Euro

Die Schülerbücherei hat eine hohe Akzeptanz bei den Schülern am Vormittag. Jetzt soll der Betrieb in den Nachmittag ausgebaut werden, um auch Familien die Möglichkeit zu geben ausgiebig zu schmökern, sich Informationen zu beschaffen, ins Gespräch zu kommen und letztlich dem Buch einen festen Platz in ihrem Leben einzuräumen.

Die Zielgruppe sind die Grundschulkinder und ihre Familien im Stadtteil. Die Leselounge wird die Schule für die Familien des Stadtteils am Nachmittag öffnen, Leseprojekte am Nachmittag zur Förderung der Literalitätsentwicklung durchführen und den interkulturellen Dialog fördern. Die Modellhaftigkeit liegt darin,  die schulische Einrichtung auf den Nachmittagbereich auszuweiten  und zusätzliche Angebote über den Schulbetrieb hinaus zu machen.

Ringen an Schulen

Träger*in: TuS Gaarden e.V.
Laufzeit: 01. Januar 2011 – 31. Dezember 2013
Gesamtkosten: 226.986 Euro

Die Ziele des Modellvorhabens sind die Kanalisation von Aggression und motorischem Bewegungsdrang der Teilnehmer*innen, der Einsatz und Ausbau ihrer vorhandenen körperlichen Fähigkeiten. Sie lernen, sowohl mit Erfolgserlebnissen als auch mit Misserfolgen umzugehen. Die Selbstakzeptanz und die Akzeptanz unterschiedlicher kultureller Herkunft wird gefördert. Gemeinsam werden Werte und Normen gelernt. Damit trägt das Modellvorhaben zur Verbesserung der Lebensbedingungen im Stadtteil bei.

Ringen ist bisher kein kontinuierliches Angebot für alle Schüler*innen. Durch das Angebot soll nachgewiesen werden, dass das Zusammenleben sich nicht nur in der Schule, sondern überhaupt im Stadtteil verbessert, indem über den Sport neu geschaffene und soziale Kompetenzen im Miteinander gefördert werden. Dies festigt auch die Lebensbedingungen der Menschen im Stadtteil und schafft stabilere Sozialstrukturen.

Doppel-Effekt

Träger*in: Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e.V.
Laufzeit: 01. Januar 2011 – 31. Dezember 2013
Gesamtkosten: 317.200 Euro

Mit dem Projekt „Doppel-Effekt“ setzt die TGS-H mit einer besonderen Art von Beratung und Hilfe an, um Grundschulkinder und Eltern mit Migrationshintergrund gemeinsam zu unterstützen und zur Entwicklungsförderung zu motivieren. In das klassische Hausaufgabenhilfemodell soll neben dem Lehrenden auch mindestens ein Elternteil integriert werden. Den Eltern wird in dieser Weise die Möglichkeit gegeben, zu lernen, wie sie ihr Kind während der Schulzeit unterstützen und fördern können. Die Kurse sollen in den Räumlichkeiten der TGS-H oder in Zusammenarbeit mit den Ganztagsschulen in Schulräumen stattfinden. Mit diesem Angebot werden sowohl die Eltern als auch das Kind gefördert und somit ein „Doppel-Effekt“ erzielt.

Damit werden Grundschulkinder mit Migrationshintergrund gefördert, ihre Entwicklungschancen verbessert und die Eltern in diesen Prozess eingebunden.

Folgende Teilziele werden angestrebt:

  • Zusammenarbeit mit Ganztagsschulen,

  • Eltern und Kinder gemeinsam in der Bildungslaufbahn unterstützen,

  • den Eltern ihre eigenen Ressourcen und Stärken deutlich machen,

  • Erziehungskompetenzen stärken,

  • wertschätzende Haltung gegenüber der Eltern stets wahren,

  • die Integration der Familien in den Bildungs- und Arbeitsmarkt fördern,

  • die Eltern zur Eigenständigkeit und –initiative ermutigen und Selbstvertrauen aufbauen,

  • bereits in den frühen Schuljahren Perspektiven aufbauen,

  • die Teilnahme an Aktivitäten und Hilfsangeboten fördern,

  • Eltern und Kinder zur Integration motivieren,

  • eine positive Beziehung zwischen Schule/Eltern und Lehrer*innen fördern,

  • eine positive Beziehung zwischen Eltern und Kind fördern,

  • die Nachhaltigkeit der Arbeit und einer kontinuierlichen Struktur sichern.

Die positiven Ergebnisse werden die Kooperationspartner*innen motivieren, dieses Modell der Hausaufgabenhilfe als Beispiel zu nehmen und die Eltern von Schüler*innen mit Migrationshintergrund intensiver zu beraten und in alle Prozesse aktiv einzubinden.


Projekte 2009

Lern- und Freizeitoase Ellerbeker Schule

Träger*in: Amt für Schule, Kinder- und Jugendeinrichtungen
Laufzeit: 1. September 2009 – 31. August 2013
Gesamtkosten: 115.749 Euro

Die Ellerbeker Schule (Grundschule und Förderzentrum mit Schwerpunkt geistige Entwicklung) liegt in einem Einzugsgebiet, in dem ein großer Teil der Schüler*innen aus sozial schwachen bzw. sehr belasteten Familienverhältnissen kommt (Alleinerziehende, Familien mit Gewalt- und Suchterfahrung und psychischen Erkrankungen, Familien mit Kindern mit Behinderung).

Die Offenen Hilfen Kiel kooperieren als Ambulanter Fachdienst der freien Jugendhilfe seit Jahren mit der Ellerbeker Schule. Das Projekt soll eine Unterstützung im Sinne präventiver frühzeitiger Hilfen als Schutz vor sozialer Verwahrlosung und mangelnder Bildung als Armutsfaktor leisten sowie als Beitrag zur Gewaltprävention dienen.

Täglich von 12 - 15 Uhr fördern zwei qualifizierte Fachkräfte Kinder im Alter von 6 - 11 Jahren in der Erweiterung des Selbstvertrauens, der Konfliktlösungskompetenz, in der Selbstorganisation des Lernens, in der Eigenverantwortung. Zur Unterstützung einzelner werden ehrenamtliche Mitarbeiter*innen sowie Migrationsvereine eingebunden. Eltern werden durch ein Elterncafe, Elternabende und Kurse in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt, Unterstützungsnetzwerke werden erweitert und Familien eingebunden.

Kinder aus belasteten Familiensituationen werden in ihren sozialen Kompetenzen gestärkt, eine größere Chancengleichheit für den schulischen Werdegang wird ermöglicht. Eltern werden in ihrer Erziehungskompetenz unterstützt und in wohnortnahe Unterstützungsnetzwerke eingebunden.

Der städtische Zuschuss für die offenen Ganztagsschulangebote wird als Eigenmittelanteil bereitgestellt.

HIPPY

Träger*in: AWO-Landesverband Schleswig-Holstein
Laufzeit: 1. Januar 2010 – 31. Dezember 2013
Gesamtkosten: 235.182 Euro

Das Projekt HIPPY („Home Instruction for Parents of Preschool Youngsters“) steht für ein bundesweit bewährtes niedrigschwelliges Programm zur Unterstützung sozial benachteiligter und bildungsferner Familien mit Kindern von 3 bis 6 Jahren.
Ziel ist die Förderung der kognitiven, sozialen und emotionalen Entwicklung von Kindern und Stärkung der Erziehungskompetenz der Eltern.

Der Kontakt zu den Familien wird über Kitas oder Migrantenvereine hergestellt. Zuerst werden die Familien zu Hause besucht. Die muttersprachliche Besucherin übt mit Mutter und Kind(ern) anhand von mitgebrachtem Material Spielen, später folgen Gruppentreffen.

Trinkraum Kiel-Gaarden

Träger*in: HEMPELs e.V.
Laufzeit: 1. Januar 2010 – 31. Dezember 2012
Gesamtkosten: 362.580 Euro

Ziel des Angebotes ist es, ein von Kommune und Ordnungskräften akzeptiertes Aufenthaltsangebot für „problemverursachende Menschen“ im Umfeld des Vinetaplatzes zu schaffen und dieses mit bestehenden Angeboten zu vernetzen. Es soll für die Zielgruppe ein geschützter Raum ohne Verdrängungsdruck entstehen, der sehr niedrigschwellig zugänglich ist und aus dem heraus auf Wunsch in weiterführende Angebote vermittelt wird. Dies trägt zur Verbesserung der Lebenslagen der Besucher*innen bei. Mit der Maßnahme soll gleichzeitig eine Verringerung der Präsenz der Zielgruppe auf dem Vinetaplatz sowie möglichst eine Verhinderung des Entstehens alternativer Straßenszenen im Umfeld erreicht werden. Die Haushaltsmittel in Höhe des Eigenanteils von rund 40.500 Euro wurden angemeldet.


Projekte 2008

Feuerherz

Träger*in: AMOS - Neue Arbeit
Laufzeit: 1. Oktober 2008 – 31. Dezember 2012
Gesamtkosten: 499.631 Euro

Das Ziel des Projekts ist es, in Gaarden ein neues soziales Zentrum zu schaffen. Der Bedarf an Lebensmitteln für einkommensschwache Haushalte von der Kieler Tafel steigt im Stadtteil stetig an und ist mit der Kapazität der jetzigen Angebote nicht mehr abzudecken. Täglich kommen ca. 200 Menschen (25 % davon Kinder) zum Tafelladen, der damit längst an seine Grenzen gestoßen ist. Des weiteren wird deutlich, dass eine Verknüpfung dieser versorgenden Hilfe mit unterstützenden sozialen und aktivierenden Angeboten erforderlich und hilfreich ist, um insbesondere den jüngeren Menschen Perspektiven aus einer dauerhaften Abhängigkeit zu ermöglichen. Anlaufstelle dafür ist die Matthäuskirche. Gleichzeitig werden mit diesem Projekt ca. 40 Arbeitsgelegenheiten für Menschen geschaffen, die sich im Arbeitslosengeld II – Bezug des Jobcenters Kiel befinden.

Die Projektträger*innen und Kooperationspartner*innen sind die Kirchengemeinde Gaarden, die Kieler Tafel e.V., die Ev. Stadtmission Kiel gemeinnützige GmbH.

MARO TEMM - Kulturbewahrung und Integration

Träger*in: Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Schleswig-Holstein
Laufzeit: 1. Oktober 2008 – 31. Dezember 2012
Gesamtkosten: 272.865 Euro

Bei diesem Modellprojekt ist das Ziel die kulturspezifische Förderung durch einerseits die Stärkung der Gruppe nach Innen und andererseits den Ausbau der Kontakte nach Außen. Dies soll mit 4 Modulen erreicht werden:

  1. Stabilisierung der Sinti/Roma-Gemeinschaft und Sicherung der Minderheitenkultur im neuen Wohnquartier MARO TEMM durch die Minderheitenangehörigen und den Projektträger selbst unter Beteiligung einer ehrenamtlich tätigen Mentorin und einer in Vollzeit angestellten Fachkraft (Sozialpädagogin).

  2. Ein von der Fachkraft kreativ entwickelter und betreuter, die kulturspezifischen Besonderheiten beachtender Aufbau von nachbarschaftlichen Strukturen zwischen Wohnquartier und Stadtteil soll vertrauensvolle Begegnungen und aufgeschlossenen kulturellen Austausch z.B. im eigens für das soziale Projekt konzipierten Gemeinschaftsraum in der Siedlung ermöglichen und fördern (z.B Nähen, Musik, Bauwagenaktionen).

  3. Kinder, Jugendliche und Erwachsene sollen gezielte Hilfe erhalten bei der Integation in den Stadtteil Gaarden und seine Einrichtungen.

  4. Ein weiteres Projektziel ist es, Bildung und Teilhabe mit einer ausgebildeten Mediatorin aus der Minderheit in Kooperation mit der Hans-Christian-Andersen-Schule zu fördern. Dies soll den regelmäßigen Schulbesuch und den Schulerfolg der Kinder sichern. Es wird ehrenamtlich ein geregelter Fahrdienst eingerichtet und feste Betreuungszeiten mit Angehörigen der Minderheit vereinbart. Über ergänzende Nachhilfe und spielerisches Lernen im Gemeinschaftsraum soll das Zusammenleben beider Kulturen gestärkt werden. Eine Lehrerin im Ruhestand wird ehrenamtlich beteiligte Mütter während des Projektverlaufs zu Mediatorinnen/Helferinnen qualifizieren, so dass für eine Verstetigung dieses Moduls gesorgt ist.

Großtanzperformance

Träger*in: Fridtjof-Nansen-Schule
Laufzeit: 1. September 2008 – 31. August 2009
Gesamtkosten: 23.735 Euro

Die Fridtjof-Nansen-Schule im Stadtteil Kiel-Gaarden ist eine gebundene Ganztagshauptschule mit derzeit ca. 440 Schüler*innen. Viele von ihnen sind auf Grund von schwierigen familiären und wirtschaftlichen Verhältnissen oder migrationsbedingt benachteiligt, insbesondere in der Teilnahme an persönlichkeitsfördernden Aktivitäten, wie Musik, Sport etc.. Die besondere Mischung von Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen kulturellen Unterschieden und das soziale Ranking bergen alltäglich ein großes Potenzial für Auseinandersetzungen, auch in gewalttätiger Form. Viele Schüler*innen definieren sich selbst, mangels Alternativen, über die Anwendung von Gewalt und werden nicht selten von ihren Eltern in dieser Haltung unterstützt.

Daneben zeigt sich an dieser Schule jedoch eine unerschöpfliche Vielfalt an künstlerischen Fähigkeiten, insbesondere im musikalischen und tänzerischem Bereich. Das gemeinsame Ziel  der Präsentation einer Großperformance, soll den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geben, eine Form des Ausdrucks zu finden, die ihnen entspricht und ihnen über Auftritte in der Öffentlichkeit ein Gefühl von Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein vermitteln, das viele von Ihnen nicht kennen, in ihrer beruflichen Zukunft aber eine große Rolle spielen wird.

Des Weiteren soll die Identifikation mit der Schule, in der das Projekt stattfindet, erhöht werden. Darüber hinaus soll über das Tanzen im Ensemble bei den Schüler*innen die Verantwortung für andere, die Zielorientierung, die Kooperationsfähigkeit und  die Anpassung an Gruppenregeln gestärkt werden.

Tanzen und Musik sind für Kinder und Jugendliche verbindende Elemente und sollen über das Ziel der gemeinsamen Performance eine harmonisierende Funktion übernehmen, dabei kulturelle und soziale Differenzen überwinden und gewalttätige Auseinandersetzungen vermindern. Das Zusammenwirken signalisiert somit auch eine kulturübergreifende Form der Verständigung und Überwindung herkunftsbedingter Vorurteile und Ressentiments und soll über die Präsentation im Stadtteil generationsübergreifend wirken.

Netzwerk Ältere Migranten/innen in Gaarden

Träger*in: Landesarbeitsgemeinschaft Freier Wohlfahrtsverbände
Laufzeit: 1. Oktober 2008 – 31. Dezember 2011
Gesamtkosten: 315.956 Euro 

Integration von Migrant*innen bedeutet Herstellung von Chancengleichheit beim Zugang zu allen Lebensbereichen. Immer mehr Menschen mit Migrationshintergrund sind mittlerweile im Rentenalter. Zahlreiche Veröffentlichungen weisen nach, dass auf Grund häufig geringer Renten, gesundheitlicher Einschränkungen, belastender Arbeits- und Lebensbedingungen der Gesundheitszustand dieser Senior*innen vergleichsweise schlechter ist als der der einheimischen deutschen Bevölkerung. Hinzu kommen häufig fehlende Informationen, Sprachschwierigkeiten und  kulturelle Missverständnisse, die den Zugang zu Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und Altenhilfe erschweren.

Auch sind die Einrichtungen der Altenarbeit und der Gesundheitsversorgung nicht ausreichend auf die besonderen Bedürfnisse älterer Migrant*innen vorbereitet. Die Notwendigkeit, hierauf zu reagieren und  entsprechende Konzepte zu entwickeln, wird im Nationalen Integrationsplan der Bundesregierung, dem Integrationskonzept des Landes Schleswig-Holstein sowie den Handlungsempfehlungen zur Integration von Migrant*innen der Landeshauptstadt Kiel beschrieben.

Um die Situation älterer Migrant*innen im Stadtteil Kiel-Gaarden nachhaltig zu verbessern, haben sich erstmals interdisziplinär und Träger*innen übergreifend Akteur*innen der Migrationssozialarbeit, Altenarbeit, Gesundheitsversorgung und Migrant*innen-Selbstorganisationen zu einem lokalen Bündnis vernetzt. Dieses Bündnis gewährleistet erstmalig eine Vielfalt unterschiedlicher – nach Bedarf muttersprachlicher – Angebote, die vom Projekt „Netzwerk Ältere Migrant/innen in Gaarden“  koordiniert und zielgerichtet begleitet werden. Die Angebote werden von den Projektbeteiligten in unterschiedlichen Kooperationen verantwortlich durchgeführt. Das Projekt umfasst 7 unterschiedliche Module.


Projekte 2007

Herrichtung des Bunkers Schwentinestraße 11

Träger*in: Fachhochschule Kiel
Laufzeit: 1. März 2008 – 31. Dezember 2011
Gesamtkosten: 240.000 Euro

Mit der Herrichtung des im Eigentum der Fachhochschule Kiel befindlichen Bunkers als neues Kultur- und Kommunikationszentrum sollen im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf im baulichen Zusammenhang zwischen Alter Gießerei, Mediendom und Computerschausammlung zusätzliche Integrationsangebote vorgehalten werden. Es soll Raum für freie Projekte, studentische Initiativen und Begegnung zwischen allen sozialen Gruppen geschaffen werden.

Für die im Stadtteil studierenden, arbeitenden und lebenden Bürger*innen fehlen derzeit nach wie vor Freizeitangebote für Kultur und Kommunikation, die es attraktiv machen würden, nach den Seminaren oder der Arbeit in Dietrichsdorf zu bleiben oder für Veranstaltungsangebote nochmals zu kommen. Dieser Mangel hemmt schon über viele Jahre die Ansiedlung von Studierenden und Lehrenden im Ortsteil und macht es zudem auch den Gewerbetreibenden schwer auf dem Campus oder in der örtlichen Nähe Fuß zu fassen. So ist es ein notwendiger Schritt, die Attraktivität des Quartiers durch kulturelle Angebote zu erhöhen und dem Kommunikationsbedürfnis gerade der jungen Bevölkerung Kiels wie auch den Studierenden der Fachhochschule Kiel einen geeigneten Ort zu geben, damit sich dort frei und unbeeinträchtigt ein kulturelles Klima entwickeln kann. Dieses Projekt umfasst sowohl bauliche als auch nicht investive Anteile, wie z.B. den Betrieb des Begegnungszentrums.

Stadtteilfonds Gaarden

Träger*in: Förderverein Gaarden e.V.
Laufzeit: 1. August 2008 – 30. Juni 2011
Gesamtkosten: 15.000 Euro

Der Förderverein Gaarden ist im März 2007 aus dem bereits seit sechs Jahren bestehenden Arbeitskreis StadtTEILmarketing Gaarden hervorgegangen.
Er unterstützt u.a. finanziell Aktionen und Projekte, die:

  • das kulturelle Leben in Gaarden bereichern
  • das soziale Miteinander verbessern,
  • die Identifikation der Gaardener Bevölkerung mit ihrem Stadtteil stärken.

Der Vorstand des Förderverein setzt sich zusammen aus Vertreter*innen der Vereine, Migrant*innen, Wirtschaft, Politik, Verwaltung sowie Bürger*innen aus dem Stadtteil.

Mit dem Stadtteilfonds (Verfügungsfonds) soll die Möglichkeit geschaffen werden, weitere stadtteilbezogenen Projekte zu finanzieren. Zentraler Bestandteil ist, dass über die Verwendung der Mittel ein Gremium aus Akteur*innen des Fördergebiets entscheidet, insbesondere Bewohner*innen. Diese Aufgabe soll der Vorstand des Fördervereins wahrnehmen.

Produktionsschule Lernwerk Kiel

Träger*in: Inab Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft des bfw mbH
Laufzeit:1. August 2008 – 31. Dezember 2010
Gesamtkosten: 369.429 €

Das Modellvorhaben beinhaltet das Führen einer Produktionsschule (Lernwerk Kiel) in den Bereichen Hauswirtschaft, Floristik/Imkerei und Holz/Bau für benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene des Fördergebietes. Ziel ist das Sammeln von ersten beruflichen Erfahrungen und der Erwerb von entsprechenden Qualifikationen bzw. der Einstieg in Arbeit oder Ausbildung. Das Vorhaben ist Bestandteil eines INTERREG IV-Gesamtprojektes bei dem die dänisch-deutsche Zusammenarbeit in Sachen "Produktionsschule" grundlegend initiiert und vorangetrieben werden soll. Dieses Projekt ist als Startpunkt für eine Vernetzung der bestehenden Produktionsschulen in beiden Ländern und weitere Gründungsvorhaben von Produktionsschulen zu verstehen. Im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung sollen beide Länder langfristig von diesem Projekt profitieren.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die Weiterentwicklung der Netzwerke auf dem Kieler Ostufer sein.

Produktionsschulen sind Einrichtungen der arbeitsorientierten und beruflichen Bildung, in denen Arbeiten und Lernen kombiniert werden. Die jugendlichen Teilnehmer*innen erstellen Produkte oder erbringen Dienstleistungen, die im Rahmen von regionalen Austauschbeziehungen abgegeben werden. Zugleich sollen die Jugendlichen einen Zugewinn für ihre Persönlichkeitsentwicklung erfahren. Durch ihre Anbindung an das örtliche Wirtschaftsgeschehen bietet die Produktionsschule realistische und praxisnahe Beschäftigungsfelder und eine beschäftigungsrelevante Qualifizierung.

SKOTT und KLARA

Träger*in: Kinder- und Jugendhilfeverbund gGmbH – Flexible Hilfen (KJHV)
Laufzeit: 15. Juni 2008 – 30. Juni 2011
Gesamtkosten: 495.000 Euro

Um die Regeleinrichtungen (Kindergärten und Schulen) zu stärken und von dort aus eine optimale Versorgung von Kindern und Jugendlichen in besonders problematischen Lebenslagen zu gewährleisten, kooperiert der KJHV seit mittlerweile rund sechs Jahren mit verschiedenen Schulen im Kieler Stadtgebiet.

SKOTT (Sozialkompetenztraining an Schulen) und KLARA (die Hinführung zum Klassenrat) ist ein Programm, welches Kindern und jungen Jugendlichen bereits früh in ihrer schulischen Laufbahn und Entwicklung soziale Basiskompetenzen vermittelt, um sozialer Deprivation vorzubeugen und Beteiligungskompetenz und -gelegenheiten zu fördern. Bildungschancen in Gaarden werden verbessert, generationenübergreifender ("vererbter") Armut vorgebeugt, Gewaltbereitschaft herabgesetzt, zivilgesellschaftliche Kompetenzen gestärkt. Zielgruppe des Modellvorhabens sind zunächst Kinder und jüngere Jugendliche im Alter zwischen 7 und 13 Jahren aus vorwiegend bildungsfernen Herkunftsfamilien im Stadtteil Gaarden, die aufgrund vielfältiger Belastungsfaktoren in ihren Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe benachteiligt sind. Erfahrungsgemäß sind diese Kinder und Jugendlichen in der Schule noch gut zu erreichen. Eine weitere Zielgruppe von SKOTT und KLARA sind die Lehrer*innen der kooperierenden Schulen. Bestehende Unterstützungssysteme, wie Elternbeirat, Schulsozialarbeit, Schulische Erziehungshilfe, ehrenamtliche Mitarbeit, Migrant*innen- und Elternvereine oder Sportvereine werden zur Unterstützung einzelner Schüler*innen eingebunden.

Regenbogen plus

Träger*in: Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein
Laufzeit: 1. Januar 2009 – 31. Dezember 2011
Gesamtkosten: 398.164 €

Das Vorhaben wendet sich an muslimische Frauen, die aufgrund einer konservativ-religiösen Familienstruktur bislang von integrativen Sprachangeboten keinen Gebrauch gemacht haben oder nicht Gebrauch machen durften, Frauen also, die in der Regel keine sozialen Kontakte pflegen, welche über den Familienverband und die Begegnungen in den Moscheen hinausgehen. Kurse werden direkt in den Lebensbereichen der Frauen durchgeführt, also wenn möglich in die Moscheen selbst. Mit allen interessierten Frauen werden Sprachstandstests durchgeführt und anschließend wird eine Gruppe aus geeigneten Frauen gebildet. Diese werden in zunächst 200-stündigen Vorkursen auf das Erlernen einer neuen Sprache vorbereitet und individuelle Schwächen bzw. Stärken erkannt und gefördert. Anschließend erhalten sie in den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanzierten Sprachkursen in weiteren 600 bis 900 Kursstunden die Qualifikation »B1« nach dem europäischen Re-ferenzrahmen, um darauf aufbauend auch eine berufliche Qualifikation zu erhalten.

Durch eine Reihe zusätzlicher Angebote, die inhaltlich ständig weiterentwickelt und ergänzt werden, sollen den Teilnehmerinnen demokratische Grundwerte und die hier herrschende freiheitliche Gesellschaftsordnung vermittelt werden. Nachdem die Frauen die 200-Stunden-Kurse absolviert haben, wird jeder Frau möglichst zeitnah ein Platz in einem Integrationskurs des BAMF angeboten. Dabei ist es ein wichtiges Argument, den Kursteilnehmerinnen deutlich zu machen, dass sie ohne Abschluss des Integrationskurses auf dem deutschen Arbeitsmarkt kaum eine Chance haben.

Niedrigschwellige Hilfen für psychisch erkrankte Migrantinnen und Migranten

Träger*in: Kieler Fenster- Verein z. Förderung. sozialpädagogischer Initiativen e.V.
Laufzeit: 1. August 2008 – 31. Juli 2012
Gesamtkosten: 243.744 Euro

Für psychisch erkrankte Migrant*innen gibt es keine leicht zugänglichen offenen Einzelfallhilfen. Erfahrungen des Kieler Fensters zeigen, dass hier eine große Nachfrage besteht. Migrant*innen haben ein kulturspezifisches Krankheitsverständnis und eigene Bewältigungsformen, die wenig mit dem deutschen Gesundheitswesen kompatibel sind. Mit je einer ausgebildeten Fachkraft mit türkischen bzw. russischen Migrationshintergrund soll ein niedrigschwelliger vertrauter Rahmen geschaffen werden, so dass erkrankte Migrant*innen von der Hilfe erreicht werden und diese in Anspruch nehmen. Dabei sind z. B. Familientraditionen und ein sensibler Umgang mit Ängsten zu beachten. Die psychosoziale Einzelfallhilfe soll auch die Inanspruchnahme anderer notwendiger Hilfe wie z.B. Arztbesuche unterstützen. Sie wird ergänzt durch Einbeziehung der Angehörigen. Parallel soll ein wohnortnahes stützendes Netzwerk (Gruppen, Ärzte, soziale Angebote etc.) aufgebaut werden, das auf die Bedürfnisse von psychisch erkrankten Migrant*innen ausgerichtet ist, deren Vertrauen genießt und sich durch kurze Wege auszeichnet.

Förderung von Müttern und Kleinkindern mit Migrationshintergrund

Träger*in: Türkische Gemeinde Schleswig-Holstein
Laufzeit: 1. Januar 2009 – 31. Dezember 2011
Gesamtkosten: 268.410 Euro

Das Modellvorhaben „Förderung von Müttern und Kleinkindern (0-3 Jahre) mit Migrationshintergrund“ setzt mit einer Vielfalt von Aktivitäten an, um Müttern mit Migrantionshintergrund zu helfen, die Bedürfnisse ihrer Kleinkinder besser zu erfüllen und deren Entwicklung zu unterstützen. Durch das Modellvorhaben soll eine Mutter-Kind Gruppe ins Leben gerufen werden, durch die Mütter dahingehend unterstützt werden, ihre Kleinkinder besser betreuen zu können. Die Gruppe, die als sozialer Stützpunkt und Anlaufstelle fungieren soll, wird durch qualifizierte Fachkräfte mit interkultureller Kompetenz begleitet. Folgende Aufgaben werden u. a. schwerpunktmäßig erfüllt:

  • Einübung positiver Verhaltensweisen gegenüber Kleinkindern durch Rollenspiele und weitere gruppendynamische Aktivitäten.

  • Durchführung von Schulungen zur Bewältigung von Stresssituationen, Alltagsorganisation und Haushaltsplanung in Familien mit Kindern.

  • Ein zentrales Modul des Gruppentreffens behandelt das Problem der Sprache, Spracherwerb und Mehrsprachigkeit. Müttern werden die lebenswichtigen deutschen Grundbegriffe für die Bewältigung des Alltags mit Kleinkindern vermittelt.

  • Durchführung von begleiteten Diskussionsrunden zu zentralen Themen wie Erziehung, Spielverhalten, Umgang mit Kleinkindern, Sprachentwicklung und Spracherwerb, Medienalltag usw.

  • Seminarangebote von eingeladenen Gästen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Spielpädagogik, Gymnastik, Sport und Musik.

  • Stadtteilführungen und Besuche von wichtigen Anlaufstellen für Mütter und ihre Kinder z.B. Kinderarztpraxen, Krippen, Kindergärten, Schulen, Sportvereine, Büchereien. Kooperationspartner*innen und Multiplikator*innen werden zur Mitarbeit eingeladen.

  • Mütter werden zur rechtzeitigen Anmeldung der Kinder in den Kindergärten  motiviert und begleitet.

  • Teilnehmerinnen werden gebeten, nach Ablauf der Förderzeit an einer weiterführenden Gruppe für Mütter und Vorschulkinder teilzunehmen. Sie werden ermuntert, neue Mütter aus ihrem Umfeld für eine zweite Gruppe mit Kleinkindern ins Leben zu rufen. Dadurch werden die guten Erfahrungen der Mutter-Kind Gruppe gesichert und weitergegeben.