Cultural Planning ist ein stadtplanerischer Entwicklungsansatz, der sich kreativer Methoden künstlerischer und/oder kultureller Art bedient. Das Besondere an diesem Ansatz ist, dass er von KünstlerInnen bzw. Kulturschaffenden durchgeführt wird. Diese bringen neue künstlerische Perspektiven in Beteiligungsprozesse und ermöglichen so einen anderen Zugang zu den BewohnerInnen und NutzerInnen im Stadtteil.

Das Ziel des Prozesses ist ein tieferes Verständnis für den Stadtteil und seine Bevölkerung zu bekommen und die Identifikation der BewohnerInnen mit dem Stadtteil zu stärken. Durch die künstlerische Herangehensweise sollen auch BewohnerInnen angesprochen werden, die durch die klassischen Beteiligungsformate nicht zu erreichen sind. Dabei steht die Entwicklung von unten („bottom-up“) im Fokus.

Mehr Infos dazu gibt's hier.

Kiel ist die deutsche Partnerstadt innerhalb des “UrbCulturalPlanning” Projektes. Die Heinrich Böll Siftung Schleswig-Holstein und die Projektgesellschaft Kiel-Gaarden GmbH sind Teil des Projektes. Ihr Ziel ist es, den Cultural Planning-Prozess als alternative Methode für die Stadtteilentwicklung vorzustellen und in Kiel zu etablieren.

In Gaarden wird dafür ein Pilotprojekt umgesetzt. Das Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität und die Nachbarschaft zu stärken und dafür zu sorgen, dass sich die BewohnerInnen in ihrem Stadtteil wohlfühlen. Dafür ist es wichtig, die Qualität der öffentlichen Räume zu verbessern. Deshalb werden positiv oder negativ wahrgenommene Straßen, Plätze und Parks identifiziert, um diese in attraktive Treff- und Austauschpunkte zu verwandeln.

Auch die Stärkung der Identifikation der BewohnerInnen mit ihrem Stadtteil spielt dabei eine wichtige Rolle, denn so kann das nachbarschaftliche Engagement verbessert werden.

Marius Abramavičius, derzeit als Künstler „in residence“ für drei Wochen in Gaarden zu Gast, erzählt in Bild und Video von seinen vielfältigen künstlerischen Tätigkeiten u.a. als Maler, Fotograf, Autor, Bildhauer und Drachenbauer. Er ist aber nicht nur Künstler, sondern auch Botschafter der in 1997 selbsternannten Republik Užupis im Iran und auf Espiritu Santo. Užupis ist auch als Künstlerviertel von Vilnius bekannt und Arbeits- und Wohnort von Marius Abramavičius.

Wir laden herzlich am Freitag, den 15. November um 18 Uhr zu einem gemütlichen Abend in DeinRaum, Kirchenweg 22, ein.

Die Sprache ist Englisch, bei Bedarf kann ins Deutsche übersetzt werden.

Getränke gibt’s gegen Spende.

Wir laden herzlich zum Drachenbau und -fliegen am 15.11. um 15 Uhr auf der Wiese am Germaniahafen ein!

Gemeinsam mit dem Künstler Marius Abramavicius aus Vilnius (Litauen) wollen wir am Freitagnachmittag kleine Drachen bauen und diese im Fördewind fliegen lassen. Wer schon einen Drachen hat, kann diesen natürlich gerne mitbringen.

Wir freuen uns über viele Drachenbauer und –flieger, die mit uns den grauen Novemberhimmel etwas bunter machen!

Bei Regen muss die Veranstaltung leider abgesagt werden.

Wie hört sich Gaarden für Euch an?

Was klingt aus vergessenen Gassen und unbelebten Orten?

Heute seid Ihr zu einem neuen Abenteuer eingeladen. Gaarden hören mit einem Soundwalk. „Sound“ heisst in dem Fall nicht, dass wir Töne auf unserem Weg machen, sondern ganz im Gegenteil:Der Soundwalk ist eine geführte Tour ohne Text, ohne Unterhaltung, mit gespitzten Ohren, an stille und laute Orte in Gaarden.

Wer Neues im Gewohnten, angeblich Bekannten, tausendmal Gesehenen entdecken will, muss die Perspektive (oder das Sinnesorgan) wechseln.

Wir sind gespannt, was Ihr hört!

Kommt am Samstag, 9. November 2019, um 14 Uhr zum Vinetabrunnen!

Mit: Künstlerin Nadine Gutbrod, BewohnerInnen & Gästen
Um Anmeldung wird gebeten, damit wir einschätzen können, wer kommt
Email bitte an: culturalmappinggaarden@gmail.com
(Spontane TeilnehmerInnen sind natürlich trotzdem willkommen)

Wie sieht Gaarden für euch aus? Wie könnte euer „SuperFutureGaarden“ aussehen?

In diesem Workshop wollen wir mit euch herausfinden, wie Gaarden eigentlich „tickt“. Dafür machen wir eine Fotosafari rund um Gaarden – bitte alle möglichen Fotogeräte wie Digitalfotoapparat oder Handy mitbringen!

Aber keine Angst: Dies wird kein Fotokurs! Wir nutzen die Kamera zur Analyse des Stadtteils, um das scheinbar Bekannte neu anzuschauen, Ungewohntes wahrzunehmen, geheime Orte zu entdecken, das Spezielle sichtbar zu machen – einen Blick auf das zu werfen, was den Stadtteil ausmacht, was fortgesetzt werden sollte und was ihn zerstört. Ist es das Drastische oder das Geheimnisvolle? Oder beides? Oder etwas ganz Anderes? Das gilt es raus zu kriegen ... Klingt spannend? Wird aufregend! Und lehrreich!


Um Anmeldung wird gebeten, damit wir einschätzen können, wer kommt (und genug Kekse da haben zum Beispiel.

Email bitte an: culturalmappinggaarden@gmail.com (Spontane TeilnehmerInnen sind natürlich trotzdem willkommen)

Wann: Am Samstag, 12. Oktober 2019, 14 – 18 Uhr

Wo: DeinRaum, Kirchenweg 22

Wie gut kennt ihr Leute … Straßen … Ecken … Plätze … Parks … Läden … Kioske … Cafés … Kneipen … in Gaarden?

Treffpunkt ist am Brunnen auf dem Vinetaplatz. Wir spazieren von dort durch Straßen, Gassen, Häuser in Hinterhöfe – gehen auf Baustellen, an Plätze, in Parks …

Wir beobachten Situationen, die wir gerade wahrnehmen, erzählen uns Geschichte(n), erkunden verschiedene Orte und gehen einfach …

Kommt jeweils um 17 Uhr auf den Vinetaplatz und bringt gerne eure Nachbarn, Freunde und Bekannte mit!

Termine am:

08.10.2019

15.10.2019

22.10.2019

und am 29.10.2019

 

Auf die Ausschreibung der Projektgesellschaft Kiel-Gaarden GmbH zur Ausgestaltung eines Beteiligungsprozesses mit dem Ansatz des Cultural Planning bewarben sich 12 KünstlerInnen bzw. KünstlerInnengruppen. Davon kamen neun in die 2. Runde und arbeiteten ihre kreativen Ideen für die Ausgestaltung des Prozesses aus.

Nadine Gutbrod, Raumstrategin und ehemalige Bewohnerin des Stadtteils, überzeugte die sechsköpfige Jury mit ihrer Idee für ein „Mobiles Ideen Archiv Gaarden Multilog“. Sie wird den Beteiligungsprozess in Zusammenarbeit mit anderen KünstlerInnen in den kommenden Monaten gestalten und durchführen.

Nadine Gutbrod zog für einen Job im Bühnenbild am Theater Kiel vor fünf Jahren nach ihrem ersten Studium in den Norden. Sie lernte Gaarden als einen vielschichtigen Ort kennen, an dem sich Menschen verschiedenster Hintergründe begegnen und miteinander verweilen. Ein Stück gelebtes Multikulti. Was für die Künstlerin, wie sie sagt, Bewegung bedeutet.

So bewegt sie sich in ihren ersten Schritten suchend mit Stift und Notizbuch durch Gaarden. Orientiert sich, erkundet die Räume und lässt sich auf das ein, was auf sie zukommt. Um damit weiter zu sehen und zu hören, Ideen zu sammeln und zu dokumentieren.

Nadine Gutbrod versteht den künstlerisch-kreativen Beteiligungsprozess als eine kontinuierlich wachsende Bestandsaufnahme und Verhandlung des urbanen Raumes, mit künstlerischen Mitteln Möglichkeits- und Handlungsräume vor Ort zu vermessen.

Mit wöchentlichen Spaziergängen, zwei Workshops – einer „Bildersafari“ und einem „Soundwalk“ – und einem Abschlussevent, wird die Künstlerin den Stadtteil gemeinsam mit BewohnerInnen analysieren – geheimnissvolle Orte

von „Gaarden sehen“ und vergessene Gassen von „Gaarden hören“ lernen.  

So werden sich am Ende der ersten Phase des „Cultural Mapping“, Erkundungen verschiedener Lebenswirklichkeiten, Alltagskulturen, geografischen Räumen, Szenerien, kulturellen Riten und Bilderwelten in Form von Zeichnungen, Collagen, Fotos, Filmen, Tonbandprotokollen und Texten in einem „Mobilen Ideen Archivs Gaarden Multilog“ versammeln.

Während des Gaardener Brunnenfestes am 8. September 2019 wurde durch die Projektgesellschaft eine SWOT-Analyse durchgeführt. Dafür wurden Gespräche mit BesucherInnen des Festes geführt, bei denen Stärken und Schwächen des Stadtteils in Bezug auf den öffentlichen Raum und das Kulturangebot im Vordergrund standen. 

Folgende Eindrücke wurden dabei gesammelt:

Schwächen
wenig Treffpunkte für Austausch/ Rassismus/ Hundekot/ Schmutz/ Graffittis/ Müllentsorgung/ wenig Informationen zu ÖPNV/ wenig Aufenthaltsfläche/ Unsicherheitsgefühl/ Lautstärke/ kein Miteinander der Kulturen/ Kulturangebot geht an BewohnerInnen vorbei/ fehlende zusammenhängende Spielfläche/ fehlende kostenlose öffentliche Toiletten/ fehlende gute Fahrradwege

Stärken
Belebte Straßen, Plätze (auch abends)/ angenehme Atmosphäre/ Offenheit gegenüber verschiedenen Kulturen/ Nahversorgung ist gesichert/ freundliche Menschen/ viele Kulturangebote/ menschliches Miteinander wird gelebt/ schöne Bausubstanz/ gute Treffpunkte: Moschee, Sportpark, Bücherei, MGH/ viele schöne Kneipen/ kreatives Potenzial/ Nähe zum Stadtzentrum/ Jugendtreffs/ Feste im Stadtteil/

Die Ergebnisse dienen als Grundlage für den weiteren Cultural Mapping-Prozess.

Am 27. August führte die Projektgesellschaft einen Photowalk mit dem Mädchentreff der LHK und dem AWO Mädchen- und Frauentreff durch. Dabei ging es um die Frage, welche Orte die Mädchen

  • nutzen, aber nicht mögen,
  • nutzen und mögen
  • gerne nutzen würden.

Auf einer großen Karte von Gaarden konnten die Mädchen die entsprechenden Orte markieren, bevor es mit Fotoapparaten durch den Stadtteil ging und die Orte fotografisch festgehalten wurden.

Orte, die die teilnehmenden Mädchen mögen und nutzen sind die Wiese zwischen Kirchenweg, Ostring, Gaußstraße und Helmholtzstraße, der Sportpark mit den Seniorenspielgeräten, der Fahrradausleihe, dem Karussell sowie der Skateranlage, der Werftpark, der Eisladen auf dem Vinetaplatz, sowie der Kirchenweg mit Streetart und bemalten Stromkästen. Orte, die sie nutzen, aber nicht mögen ist das kleine Trampolin im Sportpark, die Unterführung Stoschstraße/Ostring und der Kirchenweg im Allgemeinen. Das geschlossene Freibad Katzheide ist der Ort, den sie gerne nutzen würden, was in diesem Jahr durch Renovierungsarbeiten aber nicht möglich war.

Die Ergebnisse wurden im Rahmen der Woche der Offenen Kinder- und Jugendarbeit am 3. September in der Räucherei präsentiert.

Von Sommer 2019 bis Herbst 2020 führt die Projektgesellschaft Kiel-Gaarden GmbH im Stadtteil Gaarden einen Beteiligungsprozess mit dem Ansatz des Cultural Planning durch. Cultural Planning ist ein innovatives Verfahren, bei dem es darum geht, Stadtteilplanung und Stadtteilentwicklung aus einer künstlerisch-kreativen Perspektive heraus zu denken und mit den BewohnerInnen zu planen. In Kiel-Gaarden soll es um die Fragestellung gehen, welche Orte im Stadtteil positiv gesehen werden und welche nicht. Anschließend sollen Orte mit Entwicklungspotenzial kreativ-positiv belegt werden. Die Ausgestaltung dieses Prozesses ist Gegenstand der Ausschreibung.

Dafür wurden KünstlerInnen und Kreativschaffende gesucht, die Interesse an dem Thema der Stadtteilentwicklung und gleichzeitig Interesse daran haben, dieses mit ihrem künstlerischen Hintergrund neu zu denken und gemeinsam mit BewohnerInnen Projektideen für den Stadtteil zu entwickeln.

Dazu gab es eine Infoveranstaltung am 02. Juli 2019 in der W8 (Werftbahnstraße 8)

Die Präsentation der Informationsveranstaltung (als pdf) gibt es hier!

Ausschreibungsfrist war der 21. Juli 2019

Die komplette Ausschreibungsfrist (als pdf) gibt es hier!

Vom 4. bis zum 6. Juli 2019 findet in Kiel die erste Baltic UrbCultualPlanning Konferenz statt: Urban Transformation through Art and Culture. Sie ist die Auftaktkonferenz für das Interreg-Projekt UrbCulturalPlanning und findet im Kontext des Verbundprojekts Shared Spaces in Kiel statt. Veranstaltungsorte sind Anscharpark (Wik), in Kiel-Gaarden und an der Muthesius Kunsthochschule.

Die dreitägige Konferenz mit zahlreichen Vorträgen, Podiumsrunden und Diskussionen gibt den TeilnehmerInnen die Möglichkeit sich einerseits über die kulturellen Potenziale für den öffentlichen Raum bzw. zur Transformation von Stadträumen auszutauschen und sich andererseits auch durch Workshops und Stadtrundgänge praktisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ziel ist es zu erfassen, wie künstlerische und kulturelle Aktionen urbane Transformation bereichern können.